Zehn Dinge, die mich an Apple nerven.

Der regelmäßige Leser dieses Blogs wird wissen, dass ich die Produkte von Apple sehr mag und schätze.

Allerdings gibt es doch immer wieder Dinge, die mich an Apple stören. Die einen sind schwer wiegend, andere werden vielleicht als Kleinigkeiten wahrgenommen.
Hier möchte ich nun die – wohl gemerkt nicht sortierte – Liste der zehn Sachen vorbringen, die mich am meisten am Soft- und Hardwarehersteller aus Cupertino stören. Das ist natürlich wie immer rein subjektiv und mag nicht jedermanns Meinung sein. Umso mehr freue ich mich auf Kommentare.

Adapteritis: Eine nervige Krankheit

Apple Mini-DVI auf DVI-AdapterWer einen iMac oder ein MacBook hat, kennt das Problem. Will man einen externen Monitor oder Fernseher anschließen, braucht man einen Adapter. Jeder vernünftige Flachbildschirm verfügt heutzutage über DVI, also ist der Mini-DVI-auf-DVI-Adapter für knappe 20 Euro die richtige Wahl. Will man nun aber einen Monitor per VGA anschließen, ist der Mini-DVI-auf-DVI-Adapter wertlos. Denn der Apple-DVI-Adapter ist einer vom Typ DVI-D und führt kein VGA-Signal mit, wie es DVI-I macht. Wäre er vom Typ DVI-I, könnte man an ihn wiederum einen DVI-zu-VGA-Adapter anschließen, den man für wenig Geld und mit nahezu jedem PC oder jeder PC-Grafikkarte bekommt. Doch Fehlanzeige: Ein neuer Adapter für nochmals knapp 20 Euro muss her. Fein heraus sind hier einzig MacbookPro-Besitzer: Dieses Notebook besitzt einen „echten“ DVI-I-Anschluss, sodass man ohne viel Arbeit einen externen Monitor anschließen kann. Unnötig zu erwähnen, dass man an allen Rechnern für die S-Video-Ausgabe einen weiteren Adapter braucht.

iPod-Einbahnstraße: Zurück geht’s nimmer!

Einkäufe übertragen in iTunesAuch iPod-Besitzer bleiben von nervigen Problemen nicht verschont: Dort Musik per iTunes drauf zu kopieren, ist ein Kinderspiel. Will man allerdings diese Musik wieder zurück auf den Rechner kopieren, steht man ohne spezielle Software dumm dar. Zwar gibt es eine ganze Menge an kostenloser Software, die diesen Job erledigt, doch umständlich ist das allemal. Der angebliche Grund für die Kopiersperre ist, die Verbreitung von „Raubkopien“™ einzudämmen. Doch das ist lächerlich: Die eigene Musik ist auf dem iPod in Originalform vorhanden, das zurück kopieren wird lediglich erschwert.
Apple selbst stellt eine absurde Anleitung zur Verfügung, wie man Musik vom einem zu einem anderen Rechner transportieren kann.
Besonders paradox: Für bei Apple gekaufte Musik bietet Apple das Way-Back-Ticket in iTunes an: Stücke aus dem iTunes-Store lassen sich problemlos wieder zurück auf den Rechner übertragen. Solange dies so bleibt, kann ich floola empfehlen.

Thoughts on Music?

JHymn – zerbrochenIch bin kein Freund von DRM und DRM-basierten Lösungen für Kauf- oder Mietmusik. DRM bei Musik- oder Filmdaten ist meist Murks und nicht sonderlich von Erfolg gekrönt. Es verärgert oft die Kunden und führt zu Inkompatibilitäten. Obgleich Apples FairPlay-Mechanismus human gestaltet ist, kaufe ich mir lieber Original-CDs und rippe sie als MP3.
Vor etwa einem Jahr sorgte Apple-Chef Steve Jobs mit seinem Brief „Thoughs on Music“ für Aufsehen. In diesem Brief schreib er unter anderem, dass der komplette Verzicht auf DRM die beste und für den Kunden freundlichste Variante sei.
Erstaunlich hierbei ist nun, dass Apple vor kurzer Zeit den Download des Hymn-Projektes per Unterlassungserklärung stoppte. Mit dieser Software war es dem legitimen Eigentümer der Musik möglich, sie ohne zeit- und quaitätsraubende Brenn- und Ripp-Orgien in ein allgemein lesbares Musikformat wie MP3 umzuwandeln.
Sicherlich wird hier auch die Musik-Industrie die Finger im Spiel gehabt haben. Dennoch hat sich mit der Aktion gegen Hymn für mich gezeigt, dass es mit der gewollten Freiheit der Musik dann doch nicht so weit her sein kann und die in „Thoughts on Music“ geäußerten Gedanken größtenteils als Lippenbekenntnisse oder Wünsche einzustufen sind.

Kombiniere, kombiniere: Das ist Unsinn

CombolaufwerkDie Entwicklung bei optischen Laufwerken in Computern ist relativ überschaubar: Seit etwa 2000 sind CD-Brenner Usus, etwas später Zeit entwickelten sich DVD-Laufwerke zum Standard. In dieser Übergangszeit war es bei stationären Rechnern üblich, einen CD-Brenner und ein DVD-Laufwerk zu besitzen. In Barebones und Laptops wurde hier wegen des Platzmangels ein Combo-Laufwerk eingebaut, welches die Eigenschaften der beiden Laufwerke vereint: Es liest DVDs und beschreibt und liest CDs. Seit etwa 2003 sind DVD-Brenner Standard und ersetzen auch in Rechnern mit geringem Platz als Slimline-Variante die Combo-Laufwerke. DVD-Brenner lesen und schreiben CDs und DVDs.
Schon beim Kauf meines iBooks Anfang 2005 ärgerte ich mich, dass auch dort nur ein Combo-Laufwerk verbaut war.
Mittlerweile ist März 2008 und Apple erdreistet sich auch heute noch, bei den neuesten Modellen des iMacs und des MacBooks antiquierte Combo-Laufwerke in die Rechner einzubauen. Technisch und preislich gibt es hierfür keinen Grund: Die Großhändler-Preise der beiden Laufwerkstypen differieren – wenn überhaupt – nur marginal im einstelligen Euro-Bereich.
Einzig die Abgrenzung zu den höheren Modellen spielt eine Rolle: Der Kunde soll zum preislich höheren Modell greifen oder mit den pervers kastrierten Eigenschaften seines Geräts klar kommen.
Wahrscheinlich muss erst die Produktion der Combo-Laufwerke eingestellt werden, damit Apple standardmäßig in alle Modelle DVD-Brenner einbaut.

Arbeitsspeicher als Geldfresser

Arbeitsspeicher im Apple StoreEin weiteres, wenn auch leicht zu umgehendes Ärgernis sind die RAM-Preise des Apple Online-Stores.
Möchte man seinem neuen Rechner die volle Ausstattung an Arbeitsspeicher gönnen, kann man dies selbstverständlich direkt beim Kauf erledigen. Doch die Vernunft und vor allem der eigene Geldbeutel wird einen davon abhalten: Zeitweise verlangt Apple im Store gut das sieben- bis achtfache des Marktpreises für den Arbeitsspeicher. Lächerlich. Momentan (März 2007) sieht die Lage beim mittleren MacBook so aus: Apple möchte für 2×2 GB DDR2-SO-DIMM-Arbeitsspeicher im Store 360 Euro. Bei MIX ist gleichwertiger RAM zur Zeit für rund 65 Euro zu haben. Und RAM-Preise sind im Allgemeinen nicht dafür bekannt, mit der Zeit zu steigen.
Kauft man also bei MIX ein und versteigert seine standardmäßigen 2×1 GB verbauten RAMs bei eBay (geschätzter Erlös ~20 €), zahlt man für 4 GB RAM rund 50 Euro (inkl. Versandkosten, Gebühren, etc.).
Dies ist ein beachtlicher Unterschied zu den von Apple geforderten 360 Euro: Rund 700 Prozent.

Zubehörschwund: Simsalabim, weg damit!

Apple RemoteEs scheint sich zum guten schlechten Ton bei Apple zu entwickeln: Mit fortwährenden Modellserien wird nicht zwingend benötigtes Zubehör einfach weggelassen und optional zum Kauf angeboten.
So wurde allen iPods seit der zweiten Generation des Mini das vormals obligatorische Netz-Ladekabel gestrichen. Den großen iPod traf es noch härter: Er wurde um sein vormals serienmäßiges Dock, die Tasche (welche seit 5G wieder in minimalistischer Form enthalten ist) und AV-Kabel beraubt. Bei der neuesten Aktualisierung des MacBooks und des MacBook Pros hat es die Apple Remote erwischt: Wer zu seinem neuen Rechner eine Fernbedienung will, muss künftig 19 Euro zahlen oder sich bei Auktionshäusern umschauen, wo sie momentan für etwa 10 Euro den Besitzer wechselt.

Updates: Start your Engines, Gentlemen!

iTunes: Software-UpdateApple aktualisiert seine Software gerne und häufig. Dagegen ist im Normalfall nichts einzuwenden; ich persönlich finde kleine und kurze Release-Zyklen grundsätzlich besser als Monster-Updates. Ärgerlich hierbei ist allerdings, dass die viele Updates nicht inkrementell sind: Gerade iTunes schiebt mit jeder kleinen x.x.1-Aktualisierung mit bis zu 50MB das komplette Programm über die Leitung. Besonders nervig ist dies dann, wenn sich an den Funktionen nur im speziellen Zusammenspiel mit besonderer Hardware (bei iTunes 7.6.1 bspw. Apple TV2) überhaupt Änderungen oder Verbesserungen ergeben.

.mac: zu teuer, zu abgeschottet, nur im Bundle.

dotmacApples Online-Service .mac soll „die Arbeit mit dem Internet genauso unkompliziert wie die Arbeit mit dem Mac“ machen. Die Integration, die Funktionen und die Bundelung geben mir dennoch zu denken.
Einige Funktionen der iLife-Software sind nur mit einem .mac-Account nutzbar und nicht durch kostenlose Derivate auszutauschen. So lässt sich beispielsweise iPhoto ohne Plugins [2] oder Zusatzprogramme nicht dazu überreden, Fotoalben zu flickr oder ähnlichen Bilderdiensten hochzuladen. Auch die erstellbaren Web-Galerien harmonieren nur mit dem eigenen .mac-Account. Genauso verhält es sich mit ähnlichen Funktionen in iMovie und iWeb: Das Bereitstellen der Inhalte ist ohne Zusatzsoftware nur auf Apples eigenem Online-Dienst möglich.

Die Funktionen von .mac sind derweil nichts besonderes: Web-Galerien gibts beispielsweise auch bei flickr und Picasa. Web-Site-Hosting mit IMAP-Postfächern und Speicher bekommt man von vielen Providern, beispielsweise bei all-inkl.com(Aff.) für wenige Euro im Jahr. „Zugang zu meinem Mac“ bekommt man per VNC (eingebauter Server bzw. Vine) oder LogMeIn, iDisk-ähnlichen WebDAV-Speicherplatz bietet bspw. GMX mit dem MediaCenter an.
Backup-Lösungen gibt es dutzende, angefangen von rsync(X) über Time Machine, iBackup und SuperDuper! bis hin zu ChronoSync dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein. „Gruppen“ sprechen mich von der Funktion her nicht an, allerdings dürfte 37signals da etwas passendes im Programm haben.
Dies führt uns zum letzten Teil der .mac-Funktionen und der mangelnden Modularität:
Gäbe es die .mac Sync einzeln und zu einem vernünftigen Preis, würde ich sofort zuschlagen. Die Synchronisation von Kalendern und Kontakten zwischen Handy und Mac möchte ich nicht mehr missen. Allerdings ist dies ohne .mac nur mit einem Rechner vernünftig möglich.
Zwar lassen sich die Kalender über einen Umweg mit dem Google-Kalender synchronisieren, doch kostenlos funktioniert das leider nicht.

Ernst zu nehmende und halbwegs human einzurichtende Alternativen zu .mac gibt es leider momentan nicht. Diverse Anleitungen, die zum Großteil auf DNS-Biegerein basieren, sind nicht sehr einfach zu handhaben und fehleranfällig. Ist man wirklich auf die Synchronisation angewiesen, sollte man SyncTogether für 49 US-$ in Erwägung ziehen. Eventuell könnte mit dem sehr frischen OpenSource-dotmac-Paket oder der schon seit etwas längerem stagnierenden notMac-Challange Besserung kommen.

Mid-Range? Nono!

Mac miniEntscheidet man sich einen stationären Mac zu kaufen, ist die Auswahl begrenzt. Lediglich drei Modelle stehen dem Kaufwilligen bereit:
Der lieblos vor sich hin vegetierende Mac mini, der wirklich schicke iMac und die Highend-Rechenmaschine Mac Pro.
Zwischen Mac mini und iMac klafft eine erheblich Lücke: Der kleine Mac ist für viele Aufgaben zu schwach, mittlerweile zu teuer und seine Innereien sind veraltet. Der iMac ist (halbwegs) up-to-date, aber direkt 20 Zoll groß und bringt bekanntlich für seinen eigenen Bildschirm schon mit. Besonders auf Grund des im 20-Zoll-Modell verarbeiteten miserabel grenzwertig farbstabilen TN-Panels ist das für die Käufer ein Ärgernis, die schon einen Bildschirm besitzen. Die Rechenleistung ist ordentlich, mag manchem aber für täglich Arbeiten etwas zu hoch erscheinen. Gleiches gilt auch für den Preis.
Hier wäre Apple seit längerem gefragt, einen Mid-Range-Mac ins Rennen zu bringen. Gerüchteweise war mal etwas von einem „Mac Express“ zu hören, doch passiert ist hier nichts.

God-Mode: Der Nutzer als Melkkuh

Software-Upgrade des iPod touchIn manchen Kleinigkeiten offenbart sich Apples Arroganz bisweilen besonders: So lässt das neueste Modell des iPods die Verbindung zu einem Fernseher nur noch über ein von Apple zertifiziertes Kabel zu. Verbindet man den iPod wie beim Vorgängermodell mit einem „billigen“ Camcorder-Kabel, bleibt das Bild schwarz. Diese Schikane hat keinen vernünftigen Grund. Sie ist nur Geldmacherei, ähnlich dem separaten Verkauf der iPod-Netzteile oder der Apple Remote auch.
Ähnliches zeigt sich mit dem iPhone und iPod touch: Auch hier wurden Funktionen künstlich beschnitten und „early Adaptors“ bestraft. Die Politik des iPod touch-Software-Upgrades bleibt mir nach wie vor schleierhaft.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Nutzung von Fremdprogrammen mit Release des SDKs für iPhone und iPod touch gestaltet.

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Verweise (Trackbacks) von anderen Weblogs:

Kommentare von Lesern:

  1. Doomshammer
    05.03.2008, 00:15 Uhr
    1

    Zumindest 1 und 2 sind… nunja kein wirkliches Apple Problem.

    1) Das gleiche haste auch mit anderen Systemen, nur das da der Anschluss „HDMI“ und nicht Mini-DVI oder whatever heisst. Gleiches Spiel, anderer Name.

    2) Das ist ‚n reines iTunes Problem. Ich nutze meinen iPod mit dem iPod-Plugin in foobar2k und da kann ich sowohl Musik draufspielen (sogar OGGs die dann vorher on-the-fly zu MP3 gewandelt werden) und kann sie genauso einfach wieder runterladen. Gut, iTunes ist von Apple daher isses schon ein Apple-Problem, aber da es Alternativen gibt, wuerde ich es nicht als wirkliches Problem ansehen.

    Und die restlichen Punkte sind es IMHO ehrlich gesagt nichtmal wert erwaehnt zu werden. Wer braucht bitte .mac oder denkt ueberhaupt ernsthaft daran, Speicher bei Apple zu kaufen?

    My 2¢

  2. Karsten
    05.03.2008, 09:23 Uhr
    2

    Jaa, Apple hat so einige Marotten sich ausgedacht, um den Nutzer zu schröpfen und an sich zu binden (Ein Appleprodukt, sie zu finden und ewig… naja, lassen wir das).

    Viele Punkte von Dir kann ich sehr gut nachvollziehen.

    One-Way-iPod, Update, Arbeitsspeicher, Zubehörschwund, .Mac deutlich zu teuer…

    sollten wir nun anfangen, Apple diesbezüglich zu boykottieren?

  3. Marc
    05.03.2008, 12:42 Uhr
    3

    Ich zitier mal:

    The iPod touch software update released at last month’s Macworld Expo added applications that already appeared on the iPhone along with other new features. But it also delivered some confusion among iPod touch owners who wondered why they were being charged US$19.99 for a software update.
    It turns out Apple didn’t have much of a choice about charging for the iPod touch January software update, according to analysts familiar with accounting regulations.

    „It’s an accounting requirement that if you upgrade a device that’s not on a subscription, you have to charge,“ Needham and Company financial analyst Charles Wolf said. „Apple has a choice of what to charge, but they have to charge.“

    –> http://www.macworld.com/articl.....touch.html

  4. Emanuel
    05.03.2008, 16:58 Uhr
    4

    Dell macht es übrigens bei PCs ganz ähnlich. Fiel mir beim Lesen des Absatzes über Speicherpreise auf.

  5. thomas
    16.03.2008, 14:21 Uhr
    5

    das doofste ist aber: dass man bei dem dialog fuer „nicht sicher“, „abbrechen“ und „sichern“ keine chance hat mit der tastatur zu hantieren… kein tab etc.. das nervt.., und apfel+d fuer „nicht sichern“ kann auch keine loesung sein…

  6. Martin Weber
    17.03.2008, 21:47 Uhr
    6

    Thomas:
    Das lässt sich allerdings einstellen, dann klappts in Dialogfeldern auch mit der Tastatur und Tabben :)
    In den Systemeinstellungen unter „Tastatur & Maus“ » „Tastaturkurzbefehle“ findet sich die Einstellung:

    Steuerung der Dialogfelder durch Tastatur und Maus

    Doomshammer:

    > Wer braucht bitte .mac oder denkt ueberhaupt ernsthaft daran, Speicher bei Apple zu kaufen?

    Das ist Ansichtssache. Wäre Preis / Leistung ok, würde ich meinen RAM auch im Apple-Store mitbestellten. Aber zu diesen seit ewig anhaltenden Mondpreisen macht sich natürlich keiner mehr ernsthaft darüber Gedanken.

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