VoIP mit Grandstream Budget Tone und sipgate

Nachdem ich nun in ein Studentenwohnheim umgezogen bin, stellte sich die Frage nach einer geeigneten Telefonie-Möglichkeit. Internet per DSL ist bereits vorhanden, sodass ich mir hier keine Gedanken machen muss.
Ein T-Net-Standardanschluss der T-Com (wieder mal Buzzword-Bingo) ist unsagbar teuer (knappe 16 Euro / Monat nur dafür, dass man eine Festnetznummer hat) und die Minutenpreise sind ebenfalls horrend hoch.
Ein Genion-Mobilfunkvertrag von O2 wäre eine Alternative, allerdings funktioniert die Homezone hier nicht.

Bliebe die dritte Lösung: Voice over IP mit einem Softphone, einer Telefonanlage oder einem dezidierten VoIP-Telefon. Um ein Softphone betreiben zu können, muss ein Rechner immer laufen, außerdem ist der Komfort mit Headset meiner Meinung nach sehr dürftig. Ein Bluetooth-Headset wäre die erste Wahl, doch genau eines lässt sich damit nicht: eine Telefonnummer wählen. Eine Telefonanlage für eine Person alleine ist unnötig und auch zu teuer, genau deshalb bin ich beim „Grandstream Budget Tone 100″ gelandet.

Grandstream Budget Tone 100

Das Telefon ist sehr günstig (bei eBay gebraucht schon um die 20 Euro) zu bekommen, neu ist man mit Glück um die 40 Euro dabei. Die Installation des Telefons und der eigentliche Betrieb gehen sehr einfach von Statten, die Konfiguration allerdings überhaupt nicht. Wer keine Ahnung von Netzwerken, Portweiterleitungen und dergleichen hat, sollte die Konfiguration lieber jemand anderem überlassen.

Ausschnitt aus dem komplizierten Konfigurations-Dialog

Glücklicherweise war bei mir hier nicht allzu viel zu ändern, lediglich den DHCP-Server mochte das Telefon nicht, sodass Router, IP-Nummer, Subnetz usw. manuell eingestellt werden mussten. Außerdem wählte ich andere Ports für die SIP-Kommunikation, da die Standard-Ports wohl von der Firewall geblockt wurden.

Nun, was bringt ein VoIP-Telefon, wenn man keine Nummer und keinen SIP-Anbieter hat? Richtig: fast nichts. Man könnte direkt zu IP-Nummern im gleichen Subnetz telefonieren, aber sonst nichts. Deshalb muss man logischerweise mit einem Telefonieanbeiter einen Vertrag abschließen. Die Vertreter der VoIP-Branche sind dabei ähnlich zahlreich vertreten wie die der Call-by-Call-Szene. Um nur einige Namen zu nennen: dus.net, 1&1, Strato, sipgate, web.de, GMX, Nikotel, BlueSip, Freenet und viele andere mehr.

Ich habe mich für sipgate entschieden. Es gibt keine Mindest-Vertragslaufzeit, eine Festnetznummer bekommt man kostenlos (die beispielsweise bei dus.net ~ 6 Euro / Monat kostet) und die Gesprächstarife, selbst im Tarif „sipgate basic“, sind relativ günstig. Ungünstig ist nur die 60/60-Taktung, aber man kann nicht alles haben. Toll ist auch die vorbildliche sipgate-Website, welche detailliert auflistet, wen man angerufen hat, von wem man angerufen wurde usw. Auch Telefonbücher mit Kurzwahlen kann man sich anglegen; für viele Endgeräte stehen außerdem Konfigurations-Anleitungen bereit.

Leider unterstützt das Telefon keine Verschlüsselung via SRTP, aber vielleicht lässt sich dieses Manko noch anders lösen.

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Kommentare von Lesern:

  1. MrTweek
    12.10.2006, 13:42 Uhr
    1

    Mich wuerde mal interessieren, wie denn da die Sprachqualitaet ist. Damit habe ich naemlich bisher nur schlechte Erfahrungen gemacht.
    Die Qualitaet an sich war im besten Fall GSM-Qualitaet, allerdings meistens noch mit Echos.
    Ausserdem dauert es immer sehr lange eine Verbindung aufzubauen.
    Sehr nervig ist auch, dass es nach dem Abheben immer 1-2 Sekunden dauert, bis die Verbindung stand. Das ist leider genau der Zeitraum in dem man sich mit seinem Namen meldet.

  2. Martin Weber
    12.10.2006, 18:20 Uhr
    2

    Mit der Sprachqualität bin ich momentan noch am tüfteln. Der PCMU-Codec, den ich bisher verwendet habe, funktioniert sehr gut, wenn keine anderen großen Daten übertragen werden; die Sprachqualität war vergleichbar mit ISDN.
    Da ich den Internetzugang jedoch mit anderen teilen muss, habe ich darauf keinen Einfluss. Bei starkem „Fremd“-Traffic war es bisher so, das ich meine Gesprächspartner immer gut verstanden habe, diese mich nach eigenen Angaben allerdings „weniger gut“. Wie „gut“ oder „schlecht“ das dann wirklich war, weiß ich allerdings nicht.

    Richtig ist, was du oben erwähnt hast: Vom Abheben des Hörers bis zum Zustandekommen des Gespräches dauert es ca. eine Sekunde, gut, da muss man sich drauf einstellen.

    Die nächsten Wochen werde ich den „iLBC“-Codec testen, der bei geringerem Datenvolumen eine vergleichsweise gute Sprachqualität bieten soll.

    Kurz: Ohne „Fremdtraffic“ sehr gut, mit „Fremdtraffic“ gut bis mäßig, was PCMU anbetrifft.

  3. bastian
    02.11.2006, 11:30 Uhr
    3

    Hallo Martin.
    Sipgate bietet momentan eh kein srtp, das macht bisher nur dus.net. Mit dem 100 gehts nicht, das xp 2000 unterstütz srtp (leider nur in einer beta-firmware) snom phones kommen aber direkt mit srtp ins Haus.

    traffic, den sollte man shapen, wenn man sich mit mehreren in einem netzt befindet. vllt guckt ihr euch auch mal asterisk an, wenn ihr eh schon zu mehrt wohnt.

  4. Martin Weber
    02.11.2006, 21:14 Uhr
    4

    Hallo Bastian, sipgate bietet auf Nachfrage auch SRTP an, allerdings kostet das imo etwas.

    Mit dem iLBC-Codec funktioniert die Sache übrigens auch bei Traffic-Lastspitzen einigermaßen gut; jedenfalls besser als mit PCMU.

    Ein Telefon von Snom ist in der einfachsten Ausführung leider mehr als doppelt so teuer wie das Grandstream, sodass diese für mich nicht in Frage kamen. Vielen Dank trotzdem :)

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