Gesetzesbruch leicht gemacht
Ich dachte, das es Artikel, über Software-Seriennummern, wie ich sie bei der PC-Welt entdeckt habe (die Verlinkung spare ich mir in diesem Falle), seit Jahren ausgestorben und außerdem nur in Zeitschriften der untersten Klasse zu finden wären, aber ich wurde eines besseren belehrt, anscheinend scheut auch eine große Zeitschrift vor so etwas nicht zurück.
Dort ist am Freitag ein Artikel zum Thema Software-Seriennummern erschienen.
Sie müssen Ihr System neu einrichten. Dabei funktioniert eine Ihrer Seriennummern nicht mehr, oder Sie wissen nicht, wo Sie die Software-Verpackung verstaut haben. Bis Ihnen der Hersteller Ersatz zugeschickt hat, brauchen Sie eine Lösung.
Selbstverständlich. Es geht *hechel hechel* schließlich um Leben und Tod.
Munter wird im Artikel von Tobias Weidemann auf 11(!) weiteren Seiten erklärt, wie das im Detail funktioniert, aber zuerst wird ein hübsches Traumbild konstruiert:
[…] mindestens einer oder zwei dieser Anwendungen wissen Sie die Seriennummer nicht mehr: Entweder haben Sie den Karton […] verstaut, oder – noch schlimmer – die Seriennummer stand auf einer Papierhülle, die beim letzten Aufräumen verschütt gegangen ist.
Vielleicht haben Sie auch […] zusammenkopiert und beim Abschreiben der Seriennummer einen Fehler gemacht. Was auch immer der Grund ist – die Software lässt sich jedenfalls nicht mehr korrekt auf Ihrem Rechner installieren, obwohl Sie sie regulär erworben haben.
Alles klar. Ich weiß ja nicht, was der Autor von seinen Lesern hält, aber ich jedenfalls habe meine Seriennummern samt zugehörigen Namen gesammelt und fein säuberlich abgetippt im Aktenordner im Schrank stehen, dort ist sicherlich nichts falsch abgeschrieben, den Ordner werde ich auch bestimmt nicht, wie es so schön ausgedrückt ist beim Aufräumen „verschütt gehen“ lassen.
Auf den folgenden Seiten des Artikels wird dann obiges Szenario hübsch mit bunten Farben weiter ausgemalt, die Alternative, seine Seriennummer von Hersteller legal zu beziehen, wird nur stiefmütterlich angesprochen und als kompliziert und langwierig abgetan.
Also bleibt dem Autor leider nichts anderes übrig, als das who-is-who der bekanntesten Crack- und KeyGen-Spider im Internet zu verlinken, immer noch komplett unter dem Deckmäntelchen der legal erworbenen Software, deren Key verloren gegangen ist. Auch Tipps, Popup-Fenster zu blockieren und nicht den IE zu nutzen, finden sich im Anhang.
Ich verstehe nicht, warum so etwas nicht verboten wird. Allerorts wird über die hohe Quote der nicht-lizenzierten Software geschimpft, die schnell mit dem semantisch eigentlich falschen Begriff „Raubkopierer“ in einem Zuge genannt wird.
Diese Berichterstattung grenzt an Bild-Niveau und ist rechtlich äußerst fragwürdig, für meine Belange ist die PCW endgültig auf einer Stufe mit Chip und Computer-Bild angelangt.
































02.11.2004, 23:18 Uhr
Dem oberen Beitrag kann ich nur voll zustimmen.
Die Berichte von Zeitschriften, auf Cracks, Patches und Seriennummern hinzuweisen
und wie diese einfach zu erlangen sind, grenzt (vielleicht geht es auch schon weiter)
an die Aufforderung zu einer Straftat.
Ich ging immer davon aus, das auch die Aufforderung schon rechtlich belangt werden kann,
obwohl der Auffordernde immer sagt „ist doch alles nicht so schlimm“ und sich anscheinend
keiner Schuld bewusst ist.
Demnächst wird wahrscheinlich ein Bericht in den Zeitschriften erscheinen:
„Die kleine Atombombe für Dummies, Teil 1- Teil 6, 14täglich.
Danke für die Kommentare. Diese sprechen einen Entwickler aus der gecrackten Seele.
MFG
MK