Ahoj Spiegeleffekt!

Sicherlich hat jeder mindestens einmal den wundervollen Spiegeleffekt unter einer Grafik oder einem Logo gesehen.
Nein? OK, Ich habe hier an der Seite mal zur Anschauung ein besonders hässliches Exemplar der Gattung Photoshop-Vergewaltigung zur Schau gestellt.
Beim Spiegeleffekt wird das eigentliche Objekt dupliziert und gespiegelt wieder eingefügt. Anschließend wird die Deckkraft reduziert.
Die Spiegelung soll die Grafik oder das Produkt so aussehen lassen, als stünde sie / es senkrecht auf einer Glasplatte.
Nachdem unter anderem Apple seine Produkte mit der Spiegelung auf virtuelle Glastische verpflanzte, hat der Effekt hat geradezu epidemieartige Verbreitung gefunden.
Auch in der aktuellen Version von OS X finden sich die Spiegelungen an (zu) vielen Stellen: Im Dock, in FrontRow, und bei Coverflow begegnet man ihnen standardmäßig. Dennoch ist der Effekt so toll, dass ihn jeder für das eigene Produkt oder das Logo haben möchte.
Apropos Logo: Ein Gruß an dieser Stelle an den „Designer“ der Wort- und Bildmarke von betreut.de, die ist nämlich tatsächlich noch widerlicher als meine 2-Minuten-Grafik oben. Sorry, ich schweife ab. Zurück zum Thema:
In dutzenden Tutorials wird erklärt, wie man sich die Spiegelung im Grafikprogramm zusammenklickt, es gibt sogar On-the-fly Spiegler für die Grafiken der eigenen Website. In Office 2007, iWeb, Keynote und vielen anderen Programmen kann man auch jede Grafik auf Knopfdruck verzaubern.
Und da wären wir auch schon beim Haken angelangt:
Was für manche Einsatzzwecke cool aussieht, muss nicht immer toll sein.
Wird der Effekt gezielt eingesetzt, kann er seine Coolness ausspielen.
Setzt man ihn jedoch ohne zu überlegen auf jedes Logo, jede Grafik und jedes Foto, kann das schnell im visuellen Overkill und einer „Mee-to“-Peinlichkeit münden.
Michael Preidel geißelte den Effekt schon 2005 als den „neuen Schlagschatten“. Dieser wurde in den Neunzigern ähnlich häufig und oft unüberlegt eingesetzt.
Elliot Stacks greift die Problematik in seiner Präsentation auch auf: Ab Folie 23 geht’s um’s Thema, auf Folie 28 bringt er es auf den Punkt:
You‘re only allowed to use a logo reflection if your company name has the word ‚reflect‘ in it.
Zu dieser aus der „Massentierhaltung“ des Effekts resultierenden Fäulnis kommen noch einige gestalterische Gesichtspunkte:
Der Glasplattenlook gelingt nur dann zutreffend, wenn die untere Kante des Objektes gerade ist. Wird ein perspektivisch verzerrtes Objekt, beispielsweise eine Produktverpackung, gezeigt, kollidieren die Perspektiven miteinander und man müsste manuell Hand anlegen.
Ragen Teile der Grafik oder des Logos nach unten – wie in meinem wunderhässlichen Beispiel oben – heraus, gibt es auch meist keine zufrieden stellende Spiegelung: Entweder werden Teile der Grafik doppelt gespiegelt oder das Objekt wirkt schwebend.
Dass man auch beides peinlich mischen kann, zeigt Renault: Die Perspektive stimmt bei beiden Autos nicht, der Effekt wirkt lächerlich.

Screenshot von spielraumtage.de
Also, bitte merken und weitertragen:
Nicht einfach benutzen, weil’s so cool ist und das alle haben.
Der Effekt kann cool sein, wird aber oft überstrapaziert. Ich schließe mich da nicht aus: Bis vor kurzem war mein RSS-Icon auch gespiegelt, wenn auch auf mattem Glas.
Aber so langsam sollte man sich nach Alternativen umschauen.
Was meint ihr?
Findet oder fandet ihr die Spiegelungen toll? Nutzt ihr sie (noch)?
Ich bin gespannt.
































10.04.2008, 07:37 Uhr
Ich finde diesen Effekt Ebenfalls einfach nur noch nervtötend. Bei Frontrow 1 kam der wirklich toll, auf der Apple website auch.
Beim Dock in Leopard drehte dich mir spontan der Magen um auf anderen Websites ist es eine Geschmacklosigkeit mit infektiösem Ausmaß.
10.04.2008, 10:08 Uhr
Völlig Deiner Meinung, mir geht dieses Gespiegele auch gehörig auf den Zeiger. Und die Renaults, die Du da zeigst, sind ja echt oberpeinlich, das sieht ja aus, als wären das nur flächige Pappschilder! Mannmannmann.
03.02.2009, 20:05 Uhr
also ich muss schon sagen, dein entworfenes Spiegellogo schießt echt alles ab. Bei dieser Hässlichkeitsstufe mitzuhalten ist wirklich nicht einfach.
Generell bin ich aber noch nicht so oft darüber gestolpert, deswegen auch noch nicht so sehr angepisst davon.
Aber jetzt bin ich dagegen sensibilisiert… Jetzt achte ich drauf! ;)