Archiv für Februar, 2007

Ihr könnt mich. Endgültig.

Dienstag, 27. Februar 2007

So, Herr Dariani. Jetzt habe ich Ihnen, ihren Kollegen, Programmieren und der ganzen StudiVZ-Bande lange genug zugesehen.
Zur Sache: Das ganze Portal war seit dem Bekanntwerden nicht gerade von Krisen verschont geblieben.
Es gab so genannte Nazi-Witze und Videos von Ehssan, wie er Frauen in der U-Bahn auf die Nerven ging. Es gab erste Probleme mit den nicht öffentlichen Profilen. Es gab den lächerlichen Verhaltens-Kodex, der im Endeffekt keinen interessiert hat.
Don Alphonso fand heraus, dass zwischenzeitlich mit ein wenig Gehirnschmalz quasi alle ins VauZett eingegebenen Informationen öffentlich und für jedermann abrufbar waren. Um diese Lücken zu schließen, musstet ihr euer System mehrere Tage offline nehmen. Während dieser Zeit wurde eine ziemlich missglückte Aktion zum Finden von weiteren Sicherheitslücken gestartet, die man getrost als „nach hinten losgegangen“ bezeichnen kann.
Des Weiteren gäbs da noch den angeblichen Hack des CCC [2], der nie stattgefunden hat. Zu guter Letzt (?) gibt nach wie vor leider zu viel rechtes, ekelhaftes Gedankengut, gegen das nichts oder nur wenig unternommen wird.

Dazu kommen natürlich noch einige generelle Probleme, die das Portal mit sich bringt oder zumindest brachte.

Heute jedoch ging die gemeinste Bombe hoch: Bisher unbekannte Täter zapften die Datenbank des VauZetts an und schnappten sich Login-Daten, (gehashte) Passwörter und noch einiges mehr. Die betroffenen Personen dürften sich über einigen neuen Spam in ihrer Mailbox freuen können. Ähnliches wurde ja damals bei FTPWelt auch bekannt.

Um es auf den Punkt zu bringen: Selbst wenn mein Account beim heutigen Angriff nicht betroffen war, habt ihr seit heute habt ihr einen Nutzer Beobachter weniger, ich bin endgültig raus. Viel Spaß noch.

Aus dem StudiVZ gelöscht.

AACS, arnezami und muslix64: Tolle Geschichten

Sonntag, 18. Februar 2007

Dem ein oder anderen Leser dürfte es bekannt sein: Die DVD ist faktisch abgelöst worden, HD DVD und Blu-Ray heißen die Nachfolgeformate.
Diese beiden Nachfolgeformate der DVD sind selbstverständlich wieder mit einem KopierschutzTM ausgestattet, der es „Content-Dieben“ möglichst schwer machen soll, illegal, kostenlos und frei an das hoch aufgelöste Filmmaterial zu kommen.
Erinnern wir uns an die DVD: Diese wurde damals mit dem Kopierschutz CSS ausgestattet. Er galt von Seiten der Filmindustrie – selbstverständlich – als sicher und unknackbar, doch Jon Lech Johansen und andere Leute lehrten die DVD-Industrie schon Ende 1999 das Gegenteil: Der CSS-Kopierschutz war geknackt, die DVD ist seitdem de facto quasi frei kopierbar. Das man dazu wissen muss, wie das funktioniert und auf welchem Teil der Erde man dieses Wissen anwenden darf, steht auf einem anderen Blatt.

Das gleiche scheint sich nun mit AACS, dem vom AACS-LA-Konsortium herausgegebenen Nachfolge-Kopierschutz für die HD-DVD und Blu-Ray-Disk zu wiederholen: Die Mauer des Kopierschutzes scheint nach und nach zu zerbröseln, im Doom9-Forum wird munter alles getauscht, was zur Entschlüsselung der beiden HD-Formate nötig ist, die beiden User „muslix64″ und „arnezami“ scheinen ganze Arbeit geleistet zu haben.
Ähnlich wie damals bei der DVD scheint auch die Abspielsoftware-Industrie nicht ganz unschuldig an diesem Hack zu sein: Intervideos WinDVD 8 HD geht, glaubt man den Aussagen bei Doom9, etwas schlampig mit den Keys um, die zur Entschlüsselung der Inhalte benötigt werden.

Und – als ob das noch nicht genug wäre – hat der in Antigua ansässige und einschlägig bekannte Hersteller Slysoft jüngst die erste Version seiner Kopierschutz-Knack-Software „AnyDVD HD“ veröffentlicht, mit der wohl auch technisch nicht begabte Menschen den Schutz umgehen können.

Gut gemacht, AACS LA. Vielleicht solltet ihr euch beim nächsten Film- und Medienformat in 3 Jahren einfach überlegen, den Kopierschutz ganz wegzulassen. Das wäre billiger und einfacher. Denn geknackt wird er ohnehin.

Ich dachte, er sei nur körperlich behindert.

Freitag, 09. Februar 2007

Bitte, sagt mir, dass das hier alles ein schlechter Witz ist und ich bald aufwache:

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat am Montag das heimliche Ausspähen von privaten Computern durch die Polizei bis auf weiteres für illegal erklärt. Eine Schlappe für den Bundesminister des Innern, der solche Onlinedurchsuchungen propagiert?

Nein. Der BGH hat ja nicht gesagt, das sei überhaupt nicht erlaubt. Er hat nur eine gesetzliche Grundlage gefordert, und die werden wir schaffen.

Auf der Computerfestplatte findet man auch sehr persönliche Details zu Liebe, Gesundheit und Steuererklärung. Wie wollen Sie den „Kernbereich privater Lebensführung“, dessen Schutz das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe besonders angemahnt hat, beachten?

Ich kenne und respektiere die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zum Schutz der Privatsphäre. Aber wir müssen auch sehen, dass dieser Schutz in der Alltagswirklichkeit praktikabel bleibt. Verbrecher und Terroristen sind klug genug, so etwas auszunutzen. Die tarnen ihre Informationen dann zum Beispiel als Tagebucheintrag. So leicht dürfen wir es denen nicht machen.

Haben Sie Angst vor den sogenannten Trojanern, also vor Spionagesoftware?

Nein, ich öffne grundsätzlich keine Anhänge von E-Mails, die ich nicht genau einschätzen kann. Außerdem bin ich anständig, mir muss das BKA keine Trojaner schicken.

Besonders diese Aussage ist in meinen Augen unfassbar. Zwei Klicks genügen (more…)

Stoppt Schäuble und meldet ihn dem Verfassungsschutz!

Dienstag, 06. Februar 2007

Was Wolfgang Schäuble sich im Moment leistet, geht auf keine Kuhhaut mehr. Er hatte in der Vergangenheit in seinem 132 Millionen Euro teuren Programm zur „Stärkung der inneren Sicherheit“ den sogenannten „Bundes-Trojaner“ angekündigt, mit dem PCs vom Nutzer unbemerkt über das Internet vom BKA abgehört werden können.

Das Innenministerium [erklärt], ein wichtiger Baustein im Kampf gegen den Terror sei die Fähigkeit, PCs durchsuchen zu können, ohne tatsächlich am Standort des Gerätes zu sein. Das sei „personell und technisch äußerst aufwendig“. Diese Maßnahmen sollen dann möglich sein, wenn ein konkreter Tatverdacht vorliegt und ein Richter zugestimmt hat. Für einen regulären Einsatz brauche man „erhebliche Ressourcen“.

Dieses Verfahren wurde nun vom Bundesgerichtshof für gesetzeswidrig erklärt, schreib heise. Soweit, so gut, könnte man denken. Doch wir kennen Schäuble schlecht:

Schäuble hatte bereits angekündigt, dass, sollte der BGH die Zulässigkeit von Online-Durchsuchungen aufgrund der gegenwärtigen Rechtslage verneinen, entsprechende Anpassungen an den Gesetzen vorgenommen würden.

Diesen Satz muss man sich erst einmal genauer durch den Kopf gehen lassen. Ich resumiere: Ein mit gesundem Menschenverstand nicht zu erklärender Gesetzentwurf wird vom BGH verständlicherweise abgelehnt. Der maßgeblich an der Durchführung des Gesetzes interessierte Innenminister kündigt darauf hin an, die Gesetze ändern zu wollen, um den Entwurf in die legale Zone bewegen zu wollen? Bitte was? In welcher Bananenrepublik leben wir eigentlich? Gesetze dienen dem Schutz des Bürgers, nicht dem Schutz des Staates.

Gleiches befürchte ich auch im Hinblick auf die Vorratsdatenspeicherung; auch hier könnten Gesetze einfach geändert werden, um die Forderungen „legalisieren“ zu können. Deshalb fordere ich:
Stoppt Wolfgang Schäuble und seine Pläne!

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