Archiv für November, 2004

Amerika und RFID #2

Dienstag, 30. November 2004

Traurig, traurig. Es wird immer absurder und der erst kürzlich von mir gebloggte Wahnsinn geht weiter.
Heise online berichtet heute, dass RFID-Chips, die Menschen unter die Haut implantiert werden können, mittlerweile zur traurigen Realität geworden sind.

So benutzt Mexikos Generalstaatsanwalt Rafael Macedo de la Concha einen solchen Chip als Zugangskontrolle zu vertraulichen Dokumenten. Ein Club in Barcelona lässt Gästen Chips sozusagen als Mitgliedsausweis implantieren.

Ist das nicht purer Wahnsinn? Grenzt das nicht verdammt nah an all die dumpfen, stets schier „weit weg“ zu seinenden traurigen Zukunftsvisionen von Science-Fiction-Autoren?

Der Hersteller Applied Digital hat bereits einen ähnlichen Chip entwickelt und als „Personal Location Device“ patentiert, der zusätzlich mit dem Satelliten-Navigationssystem GPS arbeitet. Wegen der hohen Investitionen wird der GPS-Chip noch nicht vermarktet.

Lassen wir uns das mal auf der Zunge zergehen: Im Klartext heißt dass, das mit solchen Chips jeder Mensch zu jeder Zeit an jedem Ort auf einen Meter genau ortbar ist.
Nicht auszudenken, welche Informationen somit über jeden Menschen verfügbar wären.

Plötzlich wird zum Beispiel klar, warum Mitarbeiter A immer zur gleichen Zeit wie Putzfrau B Mittagspause macht: Der Chef sieht, dass sie immer gemeinsam zum einsamen Ort C fahren.

Eines jedoch weiß ich jetzt schon sicher: Sollte ein solcher Chip irgendwann einmal Pflicht in Deutschland werden, werde ich auf Biegen und Brechen dagegen kämpfen und mich bis zum Letzten wehren.

Es reicht, endgültig. Mir scheint es immer mehr so, dass wir nur Teil eines kranken Systems sind, dass nur darauf wartet, verarscht zu werden. Und dies geschieht ja recht leicht, wie man Tag für Tag sehen kann.

Ich habe wirklich die Schnauze gestrichen voll.
Wie weit soll das noch alles gehen?

Brandmarkung und Panikmache im Kino – Wir alle sind Raubkopierer, zumindest ein bisschen.
Aufhebung des Bankgeheimnisses – Wieder ein Schritt mitten ins Glashaus
Einlasskontrolle, Foto und Fingerabdruck an jedem amerikanischen Flughafen – Trueman Show?

Mir bleibt es nur noch, einen Text von Frederik Hahn hier wiederzugeben:

Ich hab die Zukunft gesehn ich konnte nichts genau erkennen
Alles verschwommen vor lauter Tränen
Nichts ist wahr was nicht vorher auch ne Lüge war
S‘gleiche scheiss Drehbuch was sich ändert ist die Kamera
Wir haben nichts aufgebaut haben nichts zerstört
haben nichts verloren weil uns auch nichts gehört
sind nur ein winziges Zahnrad in der Maschinerie
Ne Speiche innem Fahrrad aber das kapieren wa nie
Worum die Welt sich dreht werden wir nie verstehn
Wohin die Reise geht? Zu spät ihr werdet’s sehn
Auf der Suche nach uns selbst Wettlauf mit der Zeit
ein weiterer Tag in Unentschlossenheit
Ich dachte immer ein Blick nach vorn würd sich lohnen
als ich die Zukunft sah verlor ich meine Religion
Ich sah die Welt nicht mehr, Verstand die Welt nich‘ mehr
Altes fehlt mir sehr, Altes zählt nich‘ mehr
Die einen halten sich fest das alles bleibt wie es ist
Andere warten auf Veränderun. Es ist der gleiche Mist
Die gleichen Imperien die gleichen Rebellen
Nur ihre Positionen schwanken wie Werte auf Tabellen
Die selbe Welt die selben Fragen
Die selben Probleme die selben Klagen, was soll ich sagen
Jeder bleibt in seinem Eck verdeckt, verdammt,
Verstand versteckt und wir warten bis der Geist verreckt

Morgen sieht die Welt schon anders aus
Das hält uns am Leben denn sonst hält man das nicht aus
Doch was ist wenn dies alles gar nicht stimmt
Die Welt läuft nach Plan und alle Träume wären vorbestimmt
Morgen sieht die Welt schon anders aus
Das hält uns am Leben denn sonst hält man das nicht aus
Doch was ist wenn dies alles gar nicht stimmt
Nichts wär geplant und Träume wären nur was sie sind

Aber solange die Menschen froh sind, wegen eines Chips im Arm in eine Discothek eingelassen zu werden, kann und wird sich nichts ändern.

Auch ich gravatiere

Dienstag, 30. November 2004

Jeder kennt Avatare – jene kleinen User-Bildchen, die Foren-Nutzer bei Ihren eigenen Beiträgen sehen.

Ein Avatar ist eine künstliche Person oder ein grafischer Stellvertreter einer echten Person in der virtuellen Welt. Avatare werden beispielsweise in Form eines Bildes, Icons oder als 3D-Figur eines Menschen oder sonst irgend eines Wesens dargestellt. Die Verwendung des Begriffes Avatar in diesem Zusammenhang wurde 1992 von Neal Stephenson in seinem Science-Fiction-Roman Snow Crash populär gemacht.

Das dumme an Avataren ist, dass sie „lokal“ auf das Forum, in dem sie genutzt werden, beschränkt sind.

Ein schlauer Mensch, Tom Werber, hatte jedoch den Einfall, die Idee auch für Weblogs zu realisieren, und das funktioniert so:

Sie, die gern einen Gravatar (globally recognized avatar) hätten (wovon ich einfach einmal ausgehe…), melden sich bei gravatar.com an, geben ihre E-Mail-Adresse ein und laden das gewünschte Bild auf den Webspace von gravatar.com hoch.

Sofern der Weblog-Master das Gravatar-Feature integriert hat, wird in Zukunft in allen Weblogs, in denen sie Kommentare mit der gleichen E-Mail-Adresse schreiben, ihr Bild erscheinen.

Wenngleich die Verbreitung momentan noch gering ist – ich bin fast sicher, dass Gravatare beliebt werden.

via pixelgraphix, praegnanz und qxm.

02 mit i-mode

Dienstag, 30. November 2004

o2 Der Mobilfunknetzbetreiber 02 wird in Zukunft auch den mobilen i-mode-Dienst anbieten, den bisher nur E-Plus in Deutschland anbietet, weiß Golem zu berichten.

Bleibt die Frage, ob i-mode überhaupt den Nutzerkreis finden wird, den sich die Chefs von 02 versprechen, ich persönlich glaube nicht daran.

Im Gegenzug zur WAP-Flaterate von 02, die meiner Meinung nach ein erster Schritt in Richtung des „mobilen-überall-Internets“ ist, glaube ich kaum an den dauerhaften Erfolg von i-mode.

Zu teuer und zu langsam erscheint mir der Dienst.

Kein Kommentar bei Dr.Web

Montag, 29. November 2004

Aufgrund des mittlerweile ausufernden Spam-Aufkommens aus allen Himmelsrichtungen habe ich mit entschlossen, die Kommentarfunktion gänzlich zu entfernen. Der Kommentar-Spam kommt nicht nur in Massen, sondern inzwischen sogar aus Deutschland, respektive für deutschsprachige Angebote. Filter und Moderation scheinen mir angesichts der brachialen Vorgehensweise mit teilweise Hunderten von Kommentare in kurzer Zeit nicht mehr ausreichend. Das ist schade, denn die kommerziellen Interessen einiger rücksichtsloser Geschäftemacher haben so einen wichtigen Teil dieses Weblogs zerstört.

So liest es sich seit heute im Weblog von Dr.Web.

War das wirklich nötig? War denn niemand aus dem gelben Web-Ideenlabor fähig genug, ein Login-Script, Captcha oder ähnliches zu entwickeln?

Traurig, denn selbst ich habe mich erfolgreich gegen den Kommentar-Spam wehren können.

Microsoft wirbt mit Firefox

Montag, 29. November 2004

Bill Gates (c) by REUTERSTja, Microsoft.
Wieder einmal ist ein Stück Öffentlichkeitsarbeit kräftig in die Hose gegangen.
Wieder einmal hat man sich vor aller Welt lächerlich gemacht.
Wieder einmal wusste die rechte Hand wohl nicht, was die linke tat.
Man hat offensichtlich aus dem iLoo nichts gelernt.

Wovon ich spreche? Nun, ganz einfach.

Microsoft wirbt zur Zeit stark für seine neue Suchmaschine, die dem Konkurrenten Google das Wasser abgraben soll.
Hierbei wurde kräftig für die neuen Features Wind gemacht, im speziellen für die Alterskategorisierung. Und was macht man freundlicherweise für Kollegen, die das Ganze abdrucken wollen? Richtig, einen Screenshot. Dumm nur, wenn der ausgerechnet das falsche Programm zeigt.

Genau davon schreibt Futurezone heute, auch der Original-Screenshot, der an die Presse ging, ist verlinkt.

Anlässlich der Vorstellung seiner eigenen Suchmaschine hat Microsoft Screenshots an die Medien verteilt, die offenbar als Browser-Software nicht den hauseigenen Internet Explorer zum Inhalt haben, sondern den Konkurrenten Firefox.

Blöd gelaufen oder gar Absicht…?